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Gründer aufgepasst! Es gibt ein vereinfachtes GmbH-Gründungsverfahren

Apr 19, 2018 | Aktuelles |

Die Aufregungen rund um die Einführung der GmbH light bzw. gründungsprivilegiert sind noch nicht vergessen und schon gibt es weitere Neuerungen zum Thema GmbH-Gründung. Mit Anfang dieses Jahres trat § 9a GmbHG in Kraft, der ein vereinfachtes Gründungsverfahren normiert. Erklärtes Ziel des vereinfachten Gründungsverfahrens ist es, das GmbHG für die österreichische Start-Up Szene durch folgende Neuerungen „fit“ zu machen.

Wesentlich wird diese Neuerung in der breiten Öffentlichkeit wenig diskutiert und ist vielen Gründern noch nicht in das Bewusstsein eingedrungen. Um Klarheit zu schaffen, welche Möglichkeiten das vereinfachte Verfahren bietet und für wen dieses in Frage kommt bzw. wer darauf zurückgreifen sollte, haben wir die key facts nachstehend kurz aufbereitet: 

  1. Was ist neu?
  • Der Notariatsakt für die Erklärung über die Errichtung der Gesellschaft entfällt.
  • Die Erklärung über die Errichtung der Gesellschaft ist auf einen gesetzlich vorgegebenen Mindestinhalt beschränkt.
  • Die Anmeldung der Gesellschaft zur Eintragung in das Firmenbuch muss nicht vom Notar beglaubigt werden.
  • Die Überprüfung der Identität des Gesellschaftergeschäftsführers erfolgt durch das Kreditinstitut anlässlich der Einzahlung der bar zu leistenden Stammeinlage auf ein Konto des zukünftigen Gesellschafters und Geschäftsführers.
  • Das Kreditinstitut übermittelt die Bankbestätigung, die Identifizierungsdaten- und Unterlagen und die Musterzeichnung an das Firmenbuch.
  1. Wer könnte?

Eine natürliche Person, die Alleingesellschafterin und Alleingeschäftsführerin ist.

  1. Wer sollte?

Das Modell ist primär für erfahrene Gründer sinnvoll, die eine standardmäßige Gründung beabsichtigen.

Festzuhalten ist, dass diese Gründungsvariante vor allem die Rolle des Notars schwächt. Vor dem Hintergrund, dass diesem grundsätzlich eine beratende und prüfende Funktion bei Gesellschaftserrichtungen zukommt, geht diese Neuerung wohl zu Lasten unerfahrener Gründer. Versierten Unternehmern könnte es hingegen aufgrund des vorgegebenen Inhalts der Errichtungserklärung an ausreichender Flexibilität mangeln. Da das Gesetz vorsieht, dass es nur einen Gesellschafter und Geschäftsführer gibt, ist das neue Verfahren schlussendlich auch nur für „Alleingänger“ dienlich.

Wesentlich ist der Anwendungsbereich der neuen Gründungsalternative daher in der Praxis sehr eingeschränkt. Dies war wohl auch dem Gesetzgeber bewusst, der § 9a GmbHG nur bis Ende Dezember 2020 gesetzlich verankert und somit lediglich versuchsweise erlassen hat. Es ist mit Spannung zu erwarten, welches Resümee am Ende dieser „Testphase“ gezogen werden kann sowie ob und inwieweit die Tendenz des Gesetzgebers zu Gründungsvereinfachungen weiterverfolgt wird.

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